Die 29 MEPs der Lega

Solange noch nichts weiter passiert, ist Zeit für mehr oder weniger Triviales. Zum Beispiel diese Stilblüte hier: Als hätte Matteo Salvini (Lega) es nicht verknust, mit seinem Sammlungsprojekt Europe of People/s and Nations bzw. jetzt Identity and Democracy doch nicht größte Fraktion im EP geworden zu sein, musste er wohl wenigstens für die Lega noch einen drauflegen:

„Gute Arbeit für die 29 neuen Europaparlamentarier der Lega: Italien zuerst!“

Dabei hat die Lega „nur“ 28 Abgeordnete im EP. Eigentlich irrelevant, da diese Nachricht, wie so viele andere, bei Salvinis Tweet-Aufkommen einfach untergeht.

An manchen Tage werden von seinem Account mehr als 40 Tweets abgesetzt: Salvini beim Essen, beim Baden, beim Treffen mit Pompeo oder Putin. Aber Salvinis Twitter-Account hat mit über einer Million Abonnent*innen eine enorme Reichweite. Und vielleicht wollte er einige von ihnen erbauen, indem er die Lega nicht nur einfach größer machte, sondern sie damit auch wirklich ganz oben einreihte. Denn zufällig stellen die beiden größten nationalen Parteidelegationen, die britische Brexit Party und die deutsche CDU/CSU jeweils, genau, 29 Abgeordnete. Aber das große Denken scheint in der Lega gerade umzugehen. Der Vorsitzende der ID-Fraktion, Marco Zanni (Lega), gemeindete gleich insgesamt ein Fünftel aller MEPs in die Anliegen seiner Fraktion ein, obwohl sie selbst gerade ein Zehntel ausmacht. Damit benennt er ziemlich exakt das gesamte Potential extrem rechter Abgeordneter im EP, lässt aber aus, dass es unter ihnen auch so einige Widersprüche gibt.