Die AfD vernetzt sich, nicht nur in Brüssel und Strassburg, sie reist auch quer durch Europa zu Freund*innen und Gleichgesinnten. Am 19.10. war Bernhard Zimniok Referent auf der jährlich stattfindenden Konferenz der Traditional Britain Group (TBG).

facebook sreenshot Traditional Britain Group – Under Attacks
Dieser eher elitäre Verein wird von vielen als ultra-traditionalistisch bezeichnet. Dabei sind seine politischen Standpunkte getrost und schlicht der extremen Rechten zuzuordnen (zur Website der TBG). Passenderweise durfte vor einigen Jahren dort auch Richard Spencer referieren, eine führende Figur der US-amerikanischen White-Supremacy-Bewegung und der sogenannten Alternative Right. Letztes Jahr war Márton Gyöngyösi „honoured guest speaker“. Er ist Vorsitzender der faschistischen Bewegung für ein besseres Ungarn, vielen bekannt als Jobbik. Damals war er noch Abgeordneter im ungarischen Parlament, mittlerweile ist er Europaparlamentarier. Dort ist er fraktionslos unterwegs, kam auch nie in Betracht etwa für eine sich respektabilisierende ID-Fraktion.
Aber zurück nach London. Auch das diesjährige line-up war pikant. Es sprachen unter anderem: Gründungsmitglied und ehemalige Vorsitzende der Brexit-Party Catherine Blaiklock, der polnische Sejm-Abgeordnete Krzysztof Bosak von der faschistischen Ruch Narodowy (Nationale Bewegung) und Martin Helme vom Fraktionspartner der AfD im EP, der Eesti Konservatiivne Rahvaerakond (EKRE). Martin Helme wiederum fand es lustig, gemeinsam mit seinem Vater Mart Helme (Parteivorsitzender der EKRE) bei ihrer Amtseinführung als Minister der aktuellen estnischen Regierung ein sich über soziale Medien langsam etablierendes White-Power-Symbol zu zeigen (siehe hier).
Während Zimniok also in Großbritannien netzwerkte, tummelte sich MEP Maximilian Krah (ebenfalls AfD) im Süden und nahm an einer Demonstration unter dem Titel Orgoglio Italiano (Stolz Italiens) in Rom teil. Dort traf er sich mit Matteo Salvini, dem ehemaligen Innenminister und stellvertretenden Ministerpräsidenten, vor allem aber Vorsitzenden der Lega.

facebook screenshot Maximilian Krah
Die Demonstration reiht sich in den seit Sommer permanent geführten Wahlkampf ein. Der zielt einerseits auf die diversen Regionalwahlen, von denen die Lega beispielsweise die in Umbrien erst kürzlich schallend gewonnen hat und einige weitere demnächst anstehen. Andererseits macht Salvini damit vor allem Kampagne für Neuwahlen auf nationaler Ebene. Die hatte er schon gefordert, als er noch im Amt war, damals schon mit Anspruch und Bitte ans italienische Wahlvolk, ihm doch die unumschränkte, alleinige Macht zu verleihen. Es mögen an diesem 19.10. vielleicht nicht die behaupteten 200.000 Menschen gewesen sein, aber zusammen mit der permanenten Agitation gegen die Regierung fällt es schwer, nicht an Salvinis offensichtliches historisches Vorbild und dessen Drohung mit einem Marsch auf Rom zu denken.
Krahs Instinkt veranlasste ihn vermutlich, 2016 aus einer schwächelnden CDU aus- und in eine aufstrebende AfD einzutreten, rechtzeitig noch bevor letztere schon ganz vorne wäre. Sich mit dem aufstrebenden Benito Salvini (Sonneborn) zeigen, könnte einem ähnlichen, nicht ganz unrealistischen Kalkül folgen.